Stiller Freitag

Liebe Gemeinde in den Häusern,

stillen Frijdag, stiller Freitag, so wird der Karfreitag in plattdeutscher Sprache genannt, und in diesem Jahr ist der Karfreitag noch etwas stiller, als wir es gewohnt sind. Das kann auch eine Gelegenheit sein, bei dem Kern dieses Tages still zu stehen.

Jesus hat das Leiden und Sterben am Kreuz auf sich genommen, um unser Helfer und Erlöser zu sein. An dem, was Jesus erlebt hat, wird auf erschreckende Weise deutlich, wie Menschen miteinander und auch mit Gottes Liebe umgehen. Jesus wird verraten von einem seiner engsten Vertrauten, sogar mit einem Kuss, dem Zeichen der Liebe. Viele, die mit ihm unterwegs gewesen sind, lassen ihn alleine, weil sie Angst haben vor Nachteilen. Petrus verleugnet sogar, Jesus zu kennen, was ihm im Nachhinein sehr leidtut. Pilatus, der politische Machthaber, geht lieber den Schwierigkeiten aus dem Weg, und verurteilt Jesus, obwohl er weiß, dass dieser unschuldig ist. Die religiösen Führer möchten sich nicht in Frage stellen lassen durch das, was Jesus von Gott in die Welt gebracht hat. Doch Jesus nimmt es auf sich, aus Liebe zu uns Menschen, ja er betet sogar vom Kreuz her: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Am Kreuz Jesu wird nicht nur sichtbar, wie Menschen schuldig werden, sondern auch wie groß die Liebe Gottes zu uns Menschen ist.

Letztes Jahr hat der Chor bei uns in der Kirche ein Lied gesungen mit dem Text: So sehr liebt Gott die Welt, dass er seinen eigenen Sohn gegeben hat. So sehr liebt Jesus uns Menschen, auch den schuldig gewordenen Menschen, auch den zagenden Menschen, so wichtig ist jeder Mensch in Gottes Augen. Darüber zu staunen, dazu lädt der stille Freitag uns ein.

Zwei Dinge sind mir in diesem Zusammenhang besonders aufgefallen. Das eine ist eine Titelzeile in einer Zeitung vor einigen Tagen, die auf die Aussage eines Politikers zurückgeht: Gott schütze unsere Heimat. Ich freue mich darüber, dass Politiker sich trauen, in der Öffentlichkeit um die Hilfe Gottes zu bitten. Aber ich finde es schade, dass sich die Hilfe Gottes vor allem auf die Heimat beziehen soll, und nicht die ganze Welt im Blick ist. Es geht Gott nicht nur um unsere kleine Heimat, sondern um die Welt, um alle Menschen. Und dazu gehören auch die Menschen in Afrika und Südamerika, dazu gehören auch die Menschen, die unter sehr viel schwierigeren Umständen zu leben haben, und die gerade auch in dieser Zeit zu den Schwächsten gehören. Lasst uns sie nicht vergessen.

Und ein zweiter Punkt: man trifft gelegentlich auf die Aussage, dass die gegenwärtige Pandemie eine Strafe Gottes sei. Das halte ich für eine sehr fragwürdige Behauptung, wenn nicht sogar für Gotteslästerung. Die Bibel, und insbesondere das Neue Testament machen deutlich, dass Gott auf der Seite der Leidenden und Kranken steht und dass Krankheit nicht Strafe ist. Und Jesus hat die Schuld von uns Menschen auf sich genommen, damit wir Vergebung haben. Daran sollten wir niemals vorbei sehen. Das nimmt nicht weg, dass die gegenwärtige Krise auch Gelegenheit gibt, darüber nachzudenken, was sich in unserer Welt und in unserem Leben ändern kann und soll.

Gerade auch angesichts der Sorgen und Fragen, vor denen wir stehen, dürfen wir vertrauen auf die Liebe und Treue Gottes, die uns tragen will in Zeit und Ewigkeit.

Ich wünsche uns allen einen gesegneten stillen Freitag, und die Entdeckung, dass Gottes Liebe stärker ist, als das, was uns Sorgen macht!

Hermann Teunis, Hoogstede

Hier der Link zu dem Lied, das der Chor Hoogstede/Wilsum bei uns gesungen hat:

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